Mountainbike Unfall – allein im Wald und ohne Helm!

Gefühlte 60 Km/h, bergab, im Wald, auf ziemlich groben Schotter, mit dem Mountainbike, ohne Schutzausrüstung und allein. Und plötzlich passierte was irgendwann passieren mußte: totaler Kontrollverlust, von einer Sekunde auf die andere. Gerade hatte ich noch gedacht daß ich vielleicht etwas Tempo wegnehmen sollte weil die Fahrt sich irgendwie nicht mehr wirklich safe anfühlte, und schon im nächsten Moment lief der größte Stunt ab den ich in meinem Leben bisher abgezogen habe…

Ich hatte die Bremse nur leicht angetippt um den Bremsvorgang so soft wie möglich einzuleiten, doch scheinbar nicht soft genug. Das Fahrrad rutschte mir seitlich weg, und eh ich mich versah flog ich auch schon auf den Boden zu, wo ich mich seitlich mehrmals überschlug und derweil noch mitbekam wie mein Bike über mich wegflog -und es mir gleich tat. Noch während mein Kopf mehrmals hart auf den Boden aufschlug, kam mir komischerweise ganz bewußt der naheliegende Gedanke, daß das ganz schön beschissen war, da ich nämlich keinen Helm dabei aufhatte, und abgesehen von meinem Rucksack auch sonst keine Schutzausrüstung trug.

Glücklicherweise verlor ich bei dem Sturz nicht das Bewußtsein und konnte mich dank Adrenalinschub, sofort nach dem Ende des Schleudergangs wieder aufrappeln, und feststellen daß mein Bike noch ein paar Meter weiter als ich gepurzelt, und auf Lenker und Sattel stehend zum Stillstand gekommen war.
Was mich aber nicht sonderlich tangierte, denn in diesem Augenblick hatte ich ganz andere Sorgen, zum Beispiel meinen Kopf! Ein kurzes – mit der Hand nachfühlen -brachte mir dann auch gleich die Bestätigung, es war wirklich ganz schön beschissen gewesen mit dem Kopf, und ohne Helm – noch dazu mehrmals – aufzuschlagen, denn meine Finger waren ziemlich gut mit Blut benetzt als ich sie vom Hinterkopf zurück zog.

Nun lief bei mir das Notprogramm an, wie in Trance öffnete ich Brust und Bauchgurt meines Rucksacks und warf diesen zu Boden, wobei ich noch mit meinem MP3-Player bzw. mit dem Kabel der Ohrstöpsel in Konflikt kam, und diese kurzer Hand samt Mp3 Player neben dem Rucksack schleuderte.
Irgendwie hatte ich ja schon damit gerechnet, das ich mal auf ner MTB-Tour stürzen könnte, und mir vorsorglich deshalb eine Mullbinde in den Rucksack gepackt, welche ich mir nun provisorisch erstmal um den blutenden Kopf wickelte. Ein Umstand der später noch des öfteren beim Krankenhauspersonal für Erheiterung sorgen sollte, weil ich nämlich so dämlich war ohne Helm allein im Wald Mountainbike zu fahren, aber Verbandszeug mit mir führte…

Nachdem ich meinen Kopf versorgt hatte, kramte ich dann gleich mein Handy aus dem Rucksack, welches zum Glück Empfang hatte, und rief einen Kumpel an von dem ich wußte das er höchstwahrscheinlich zu Hause war und mich samt Fahrrad abholen konnte. Denn das Ausmaß meiner Verletzungen am ganzen Körper und mein allgemeines Befinden ließen selbst mich – den Krankenhaus und Ärztemuffel schlechthin, keinen Zweifel an der Notwendigkeit eines umgehenden Krankenhausbesuchs hegen, wobei ich mich aber immerhin noch nicht schlecht genug fühlte um direkt die 112 zu wählen!?

Mein Kumpel ging dann auch direkt ans Telefon, nun gab es da aber immer noch ein Problem, denn ich war immer noch mitten im Wald und konnte in meinem Schockzustand nicht ausreichend präzise beschreiben wo. Natürlich wußte ich wo ich mich ungefähr befand, aber beschreib mal jemanden auf die Schnelle wo er dich im Wald aufgabeln soll. Und so blieb mir nix anderes übrig als erstmal selbst den Weg aus dem Wald anzutreten, mit dem Hinweis an meinen Kumpel daß ich mich wieder melden würde sobald ich dies bewerkstelligt hatte.

Mit einiger Mühe kam ich samt Rucksack wieder auf die Beine und warf noch schnell einen Blick auf das Ausmaß meiner eigenen Verletzungen, bevor ich zum Bike humpelte. Mein linkes Knie war aufgeschlagen und saftete ordentlich, meine linke Schulter blutete ebenfalls und sah aus wie ein rohes Stück Fleisch gewürzt mit Tannennadeln, Split und Dreck. Die rechte Schulter sah nur unwesentlich besser aus, aber das war kaum verwunderlich. War ich doch zu Bräunungszwecken nur mit Tank Top unterwegs gewesen. Der Bereich über meiner rechten Hüfte bzw. Pobacke, sah ähnlich aus und schmerzte noch dazu beim Laufen tierisch, scheinbar war ich beim Sturz damit direkt auf irgendwas aus meinem Rucksack oder ein Stein aufgeprallt. Mein rechter Ellbogen blutete ebenfalls leicht und schmerzte bei Bewegung und mein rechtes Handgelenk war wohl entweder gebrochen oder stark verstaucht, und last but not least waren meine Fingerspitzen dank offener Handschuhe fast alle in Mitleidenschaft gezogen worden!



Trotz all dieser Verletzungen hielt ich mich nicht länger mit dem Verbinden derselben auf, da ich so schnell wie möglich aus dem Wald rauswollte und mir obendrein nicht sicher war ob ich nicht auch eventuell ernsthaftere Schädelverletzungen hatte. Außerdem wollte ich den Dreck in den Wunden nicht auch noch mit einem Verband einschließen.
Obwohl dermaßen lädiert, war angesichts der Tatsache: das der Weg durchaus noch mehrere hundert Meter weiter bergab führen würde, mein ursprünglicher Gedanke gewesen: mein Fahrrad umzudrehen und damit so langsam wie möglich bergab zu fahren.

Doch daraus wurde nichts, denn ein paar Meter weiter – am Fahrrad angekommen -, mußte ich erkennen das mein Vorderrad platt war, und die Felge unter Umständen verzogen, sowie mein Sattel defekt.
Was mich – nachdem ich das Bike mit Mühe wieder auf die „Füße“ gestellt hatte -, nun dazu zwang das Fahrrad stark humpelt eine ganze Weile bergab zu schieben, was ich auch umgehend in Angriff nahm.

Der Weg bergab erschien mir unglaublich lang, und alle paar Meter rutschte mir – wenn ich nicht gerade die Kiefer ungewöhnlich stark aufeinanderpreßte – ein: „ohh Fuck!“, heraus. Zum einen aufgrund der Schmerzen am ganzen Körper, zum andern aber auch weil ich an einen alten Schulfreund hatte denken müssen, der nach einem Autounfall, wahrscheinlich auch dank Adrenalinschub noch munter mehrere Minuten an der Unfallstelle herumgelaufen war, bevor er plötzlich und letztlich einfach Mausetot umfiel. Natürlich kam mir dieser Gedanke in allererster Linie aus Sorge um mich selbst, wegen meiner Kopfverletzungen, schließlich könnten auch bei mir jede Sekunde die Lichter ausgehen, und ich bewußtlos oder sogar Tod im Wald liegenbleiben.

Doch dem war nicht so, und so erreichte ich etwa 5-10 Minuten später das Ende des Waldes markiert durch eine geschlossene Schranke. Dort angekommen wusste ich direkt wo ich war, denn in der Nähe befand sich ein Campingplatz, und so konnte ich meinem Helfer umgehend meine Position mitteilen. Noch während ich dies tat, kam eine Joggerin vorbei, welche mir ihre Hilfe anbot, und mir Rucksack und Fahrrad abnahm während ich meiner Rettung weiter entgegenhumpelte…

Kurze Zeit später ging es dann direkt ins Krankenhaus, wo ich in der Notaufnahme knappe 2 Stunden lang wieder zusammen geflickt, und anschließend zum Röntgen geschickt wurde. Ich hatte richtig ordentlich Glück gehabt, und wohl dank weicher Knochen nichts gebrochen. Mein rechtes Handgelenk war scheinbar nur stark verstaucht aber sonst in Ordnung, und eine Gehirnerschütterung blieb mir – so kann ich im nachhinein sagen – auch erspart.

Insgesamt hatte ich am Kopf aber dennoch 6 Platzwunden davon getragen, von denen vier groß genug waren, das sie mit insgesamt 10 Tackernadeln zusammen getackert werden mußten, rambomäßig ohne Betäubung, versteht sich 😉

Mein Krankenhausbesuch dauerte letztendlich 3 volle Tage, die endgültige Genesung natürlich wesentlich länger… :-/

Und die Moral von der Geschichte? Ganz klare Sache!
Wer allein im Wald oder im Gelände mit dem Mountainbike unterwegs ist, sollte auf alle Fälle immer – immer – immer – immer:
– Einen Helm und Vollfinger-Handschuhe dabei tragen!
– (Evtl. – je nach Fahrstil, auch Knie- oder Ellbogenschoner!)
– Zumindest ein T-Shirt mit Ärmeln anhaben!
– Ein GPS-fähiges Handy mit Notfall-App für GPS-Koordinaten und vollem Akku im Gepäck haben
– Einen guten Bikerucksack mit Rückenprotektor oder Trinkblase aufhaben, in dem sich definitiv ein kleines Verbandskit bzw. Erste-Hilfe-Set, und ganz Wichtig: die eigene Krankenkarte befinden sollten!

So long! Euer Rambomann 😉

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