Finger weg vom Crowdinvesting!?

Per Crowdfunding wurden mittlerweile schon zahlreiche Projekte per Spendenaufruf im Internet finanziert. Eines der zur Zeit bekanntesten – dieser mittels einer enthusiastischen Fancommunity finanzierten Projekte ist sicher der Film: Iron Sky (hier gibts ein Review). Welcher es dank der Fanfinanzierung und einer doch recht ungewöhnlichen Story über Weltraumnazis, letztendlich wirklich geschafft hat international ein gewisses Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erringen…

Zwar gab es im Rahmen der Iron-Sky-Finanzierungsaktion für manche Geldgeber auch die Möglichkeit am späteren Einspielergebnis beteiligt zu werden, doch der Großteil der Finanzierung wurde ohne derartige Gewinnbeteiligungen aufgebracht.

Die Macher des Films bedankten sich stattdessen auf andere Weise bei den Filmfans. Diese konnten im Gegenzug unter anderem selbst Ideen zum Film beisteuern und erhielten ausserdem einen umfangreichen Einblick in die Produktion.
Und hier liegt auch der Unterschied zum seit einiger Zeit boomenden Crowdinvesting.

Denn im Gegensatz zum Crowdfunding steckt hinter dem Crowdinvesting eine eindeutige Gewinnabsicht der Geldgeber. Es wird also nicht aufgrund von puren Enthusiasmus und Fantum sondern eigentlich nur aus reinem Gewinnstreben in das jeweilige Projekt investiert. Über diverse Crowdinvesting-Onlineplattformen (wie z.B. innovestment.de) können sich interessierte Kleinanleger mittlerweile innerhalb einer Community an einer Vielzahl von so genannten Start-Ups beteiligen, und bekommen somit erstmals die Chance in junge und vielversprechende Unternehmen zu investieren, was bisher nur den Großinvestoren, so genannten Business Angels und Venture-Kapitalgebern (Wagniskapitalgebern) vorbehalten war.

So weit so gut, hört sich ja schon mal nicht schlecht an, bekommt der geneigte Kleininvestor doch nun offenbar die Möglichkeit sich direkt am nächsten großen Durchstarter-Unternehmen zu beteiligen.

Die Chance sich auf diese Art möglicherweise schon in der Entstehungsphase an einem neuem Facebook oder Google beteiligen zu können und so später einmal das investierte Kapital vervielfacht zurück zu erhalten, mag vielen potentiellen Anlegern in Zeiten von Niedrigzinsen wie ein Lichtblick vorkommen. Man erinnere sich nur mal an den erst kurz zurück liegenden Börsengang von Facebook, durch den Wagniskapitalgeber wie der deutsche Unternehmer Peter Thiel ihr ursprünglich investiertes Kapital am Ende mehr als vertausendfachen konnten, und das noch, obwohl die Facebook-Papiere seit dem Börsengang mittlerweile schon um 59 Prozent an Wert verloren haben.

Der Gedanke auch irgendwann einmal einen solchen Volltreffer zu landen und dermaßen enorme Gewinne zu kassieren lässt heutzutage sicherlich so einige Herzen höher schlagen, und weckt in vielen Menschen Begehrlichkeit und Gier.
Doch was viele potentielle Crowdinvestoren mitunter verkennen oder gar ganz ausser acht lassen, ist die dieser neuen Anlageform immanete Gefahr eines total Verlustes des investierten Kapitals, denn in der harten Realität glückt nur äußerst wenigen der vielen angepriesenen Start-Up-Unternehmen irgendwann der Sprung in die Gewinnzone.

Ganz zu schweigen von noch selteneren Erfolgsstorys ala‘ Facebook, Google und co.

Es lässt sich also schon einmal konstatieren das die großen Chancen welche das Crowdinvesting bietet, auch zwangsläufig mit enormen Risiko verbunden sind, daher bezeichnet man derartige Investition auch als Venture-Capital (Wagniskapital).

Das ganze ist auch nicht wirklich vergleichbar mit anderen bereits etablierten Anlageformen wie z.B. Aktien, Unternehmensanleihen oder Zertifikaten, welche zwar auch immer mit dem Risiko eine total Verlustes behaftet sind, aber in den meisten Fällen jederzeit und überall handelbar sind, und demensprechend vom Investor  bei negativer Unternehmensentwicklung noch rechtzeitg abgestossen werden können. Was leider bei Venture-Kapitalanlagen nicht so ohne weiteres möglich ist, schließlich handelt es sich hierbei nicht um öffentlich gehandelte Werte…

Hinzu kommt noch, dass das Crowdinvesting als neue Anlageform derzeit noch kaum reglementiert und kontrolliert wird, wodurch der Abzockerei durch unseriöse Anbieter sowie Start-Up-Unternehmer im Moment noch Tür und Tor offen stehen, wessen sich Crowdinvesting-Interessierte auch wenn die Angebote noch so seriös präsentiert werden, definitiv immer bewusst sein sollten.

Und last but not least, sollte jeder Kleinanleger sich bewusst darüber sein, dass Großinvestoren und Business Angels wie z.B. der schon angeführte Peter Thiel über ganz andere Kenntnisse, Möglichkeiten und personelle sowie finanzielle Recourcen verfügen, um derart risikoträchtige Investments zu analysieren und zu überwachen.

Bevor man also überhaupt in Erwägung zieht, sich per Crowdinvesting an einem Start-Up zu beteiligen, sollte man sich selbst ehrlicherweise einmal fragen, ob man überhaupt wirklich in der Lage ist ein gutes von einem schlechten Unternehmen zu unterscheiden, respektive einen Businessplan in Gänze zu verstehen, Zahlen und Daten eines Unternehmens zu analysieren und zu verstehen, und ob man wirklich sein sauer verdientes „Kleingeld“ irgendwelchen Leuten geben will, die man selbst nie persönlich kennen gelernt hat, und welche von niemanden wirklich überwacht werden… 😉

3 Comments

Schreibe einen Kommentar zu Kritiker Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.